Vom Steinbeil bis zur Gegenwart

Ortsname

Ein Steinbeil (im Schulhaus aufbewahrt) aus der Jungsteinzeit (3000 bis 1800 v.Chr.) ist das älteste Zeugnis aus unserer Gegend. Im Urkundenbuch der Stadt Zürich von 893 und 924 ist unser Dorf erstmals namentlich erwähnt: Onpretiswilare (Weiler des Onprecht). Die Endung "–wil" zeugt von der Besiedlung der Alemannen.

Reformation

Während der Amtszeit von Pfarrer Markus Spengler (1528 – 1541) vollzog sich im Gebiet des Berner Aargaus der Wechsel zur Reformation.

Bevölkerung

1549
besassen in Ammerswil 6 Haushalte, ca. 30 Personen, "eigen führ und liecht".

1860
zeigt die Volkszählung folgendes Bild: 41 Wohngebäude, 56 Haushaltungen mit 312 Personen. Diese Einwohnerzahl blieb bis Sommer 1981 unverändert zwischen 300 und 320. Durch neue Baugebietserschliessungen stieg die Zahl der Einwohner von 356 bis ins neue Jahrtausend auf 598 Einwohner an. Heute zählen wir 270 Haushaltungen.

Familien-, Geschlechts- oder Sippennamen

Um Verwechslungen zu verhüten, fügte man oft den Namen des Vaters, der Mutter oder des Wohnorts zum Vornamen z.B. Heinrichs, Johannessen, Salomes, Fritz von Aesch usw. Andere erhielten den Geschlechtsnamen von ihrem Beruf, Nebenberuf oder ihrem Amt oder ihrer Stellung im Dorf. So wurde es also im 14. JH üblich, zum Personennamen noch einen zweiten hinzuzufügen. So steht auf einem vergilbten Blatt: "Tauf-Zedel für Anna am Weg (Amweg) zu Amerswyl 1821". Gehrig, früher Gerig, Gering oder Gerinng im 16. JH in Ammerswil bezeugt, ist abzuleiten vom althochdeutschen "ger" = Speer, Wurfspeer. Andernorts heisst's, Gehrig stamme vom Eigennamen "Gerhard" ab.

Speicher mit Blick auf das ehemalige untere Waschhaus

Kirche / alte Gebäude

Die Kirche bestand ursprünglich nur aus dem romanischen Schiff und einem Dachreiter mit Glocke. Ende des 15. JH wurde der Westseite der Glockenturm vorgebaut und 1640 das Schiff auf der Ostseite um das Chor erweitert. Pfarrhaus und Pfarrscheune aus den Jahren 1783 und 1676 umschliessen den in seiner Art einzigartigen Pfarrhof. Ein Meisterwerk der Zimmermannskunst ist der 1685 errichtete Pfrundspeicher. Mitten im Dorf steht das über 300 Jahre alte typische Hochstudhaus Nr. 32. Den Dorfplatz säumen weiter das 1872 erbaute ursprüngliche Käsereigebäude, das 1936 errichtete Gebäude der landw. Genossenschaft und das 1937 erbaute Gemeindehaus.

Schule

Das Vorhandensein einer öffentlichen Schule in Ammerswil lässt sich urkundlich auf das Jahr 1602 nachweisen. Die jetzige Schulanlage wurde 1966 eingeweiht. Seit 1980 absolvieren die Oberstufenklassen (Real-, Sekundar-, und Bezirksschule) ihr Pensum in Lenzburg. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die seit 1984 diskutierte Radwegverbindung mit Lenzburg am 11.6.1994 endlich eingeweiht werden konnte. Die Gemeinden Lenzburg und Ammerswil teilten sich die Kosten je zu ½.

Industrialisierung

Frauen und Kinder verdienten während der 2. Hälfte des 19. JH mit Heimarbeit für die Wohler Strohindustrie ein paar Batzen. 1892 eröffneten die BBC Baden (heute ABB), 1896 die Hero in Lenzburg und 1911 die Bally Schuhfabrik in Dottikon ihre Betriebe. In allen drei Werken fanden Männer und Frauen aus Ammerswil ihren Verdienst.

Ammerswiler Schulhaus 19. Jhd.

Landwirtschaft - Vom Getreidebau zur Milchwirtschaft

Der Aargau galt bis Mitte des vorletzten Jahrhunderts als Kornkammer; die Landwirtschaft war bis 1800 einseitig auf Getreidebau ausgerichtet.

Das 19. JH brachte einen Umschwung in der Landwirtschaft. Der Getreidebau, der Berner Aargau galt als Kornkammer, wurde durch die Vieh- und Milchwirtschaft zurückgedrängt. Bessere Verkehrswege (Bahnen) erlaubten die Einfuhr billigen Weizens. Zwischen 1890 und 1935 verringerte sich die Getreideanbaufläche deswegen um 45 %. 1850 bestand kaum ein halbes Dutzend Käserein im Kanton, um 1887 waren es bereits 112; dazu gehörte auch diejenige in Ammerswil, die 1872 erbaut wurde.

Bestand der Bauernbetriebe:
1900: 40
1990: 7

Total Ackerland:
1919: 35.0 ha
1946: 55.5 ha

Von den 5 Landwirtschaftsbetrieben, die heute noch existieren und deren Besitzer haupterwerbsmässig tätig sind, obliegen nur noch  3 den traditionellen Tätigkeiten in diesem Erwerbszweig, Ackerbau und Viehhaltung. Die anderen haben sich auf den reinen Gemüsebau. Daneben bebauen noch ein paar Berufstätige ihr Land als Nebenerwerbszweig, wobei keine oder wenig Tiere im Stall stehen.

Die Entwicklung des Postwesens

1847 erfolgte die erste Postablage im Haus Nr. 4. Im Jahr 1913 wurde das Postbüro in einem privaten Neubau, Nr. 69, neben dem Rest. Rütli, eingerichtet. Am 31. März 2000 wurde die Poststelle Ammerswil aufgehoben und wird das Dorf neu ab 1.4.2000 von Lenzburg aus bedient.

Verkehrsmässige Erschliessung

Mit dem Regionalbus erreicht man in zehn Minuten den Bahnhof Lenzburg.

Telefon

1887 wurde in Lenzburg eine Telefonzentrale eröffnet mit eigener Handschaltung; bedient war sie von morgens 7 Uhr bis abends 9 Uhr. Am 24. April 1900 erfolgte die Eröffnung einer Telefonstation mit Telegraphen-Bureau in Ammerswil als Gemeindestation. Nachdem die Telefonzentrale Lenzburg am 12.6.1942 automatisiert wurde, war auch das Telefon der Gemeindekanzlei der Öffentlichkeit nicht mehr zur Verfügung.

Licht

Seit 1912 geniesst Ammerswil den Segen des elektrischen Stromes.

Der Ammerswiler Wald

Bei einem Gemeindebann von 319 ha beträgt die 174 ha grosse Waldfläche von Ammerswil 54,5 % (davon 18 ha in 50 bis 60 Parzellen Privatwald), womit unsere Gemeinde in dieser Beziehung im Bezirk Lenzburg an erster und im Aargau an sechster Stelle steht; vor ihr liegen Riniken, Vordemwald, Habsburg, Olsberg und Murgenthal. Da die Ortschaft zudem noch fast von Wald umschlossen ist, verwundert der Name "Walddorf" nicht. Für Ammerswil bedeutet der Wald von jeher ein gutes Stück des Lebens, sowohl materiell wie ideell.

Wasser - Urquell des Lebens

Schotter und Moränenschutt der bewaldeten Hänge ringsum speichern die Niederschläge. Über ein Dutzend gefasste Quellen am Nordwesthang der Talmulde, im Teuftel und Strauacher speisen Brunnstuben und ergänzen zum Teil die 1950 erstellte Wasserversorgung mit Hydrantenanlage, deren Reserve in einem bescheidenen Grundwasservorkommen im Unterdorf bestand. Eine weitere ergiebigere Grundwasserfassung ausserhalb des Wohngebietes in der Studenmatt und der Bau eines zweiten Reservoirs wurden 1981 erstellt.

Kanalisation

Ammerswil war eine der ersten Gemeinden im Kanton Aargau, welche eine eigene Kläranlage betrieb. Oberflächen- und Abwasser wurden seit 1969 in die eigene Kläranlage im Filgi geleitet. Im 1998 wurde die Kläranlage stillgelegt und das Abwasser fliesst nun in die Kläranlage Falkenmatt in Hendschiken.

Fotos: aus der Chronik von Willi Häusermann, Ammerswil
Die Chronik von Willi Häusermann wurde 2014 mit einem Anhang ergänzt. Die Neuausgabe ist auf der Gemeindekanzlei erhältlich.